Blick.de vom 26.6.2021

von Katja Lippmann-Wagner

  • Das Modell des Grünhainer Schwibbogens. Foto: Lippmann-Wagner

Grünhain-Beierfeld.

Heike und Wolfgang Lorentz aus Wedemark bei Hannover haben eine ganz besondere Verbindung ins Erzgebirge. Sie bezeichnen die sächsische Region als ihre zweite Heimat. Aus dieser Liebe ist eine Leidenschaft entstanden.Das Ehepaar hat sich in die Ortsschwibbogen des Erzgebirges verliebt und baut diese nunmehr seit ein paar Jahren nach. Mittlerweile sind so viele Modelle entstanden, dass sie mit ihren Bögen Sonderausstellungen konzipieren. Eine ist aktuell im Depot Pohl-Ströher in Gelenau zu sehen. Als das Paar nach Monaten der Besuchspause – verursacht durch die Corona-Pandemie – vor einer Woche im Erzgebirge zu Gast war, wurden sie in Grünhain überrascht.

Dort steht nämlich seit der 750 Jahrfeier der Klosterstadt ein wundervoller Ortsschwibbogen, mit dem die beiden schon lange geliebäugelt haben. Doch an seinen Nachbau haben sich die Lorentz noch nicht gewagt. Er sei einfach extrem filigran und schwer ins Modell zu bringen, so Heike Lorentz, die für die malerische Gestaltung verantwortlich zeichnet.

In der vergangenen Woche aber durften sie ein Modell als Leihgabe entgegennehmen. Dieses stammt aus der Werkstatt von Bernd Weise, der mittlerweile drei solcher Bögen nachgebaut hat: „Ich habe bei Stefan Gräßler nachgefragt, ob ich ihn nachbauen dürfte und mir sein okay geholt.“ Gräßler hatte das Original gestaltet. Doch zurück zu den Modellen aus Weises Werkstatt. Ortsvorsteher Jens Ullmann hatte ein Modell davon käuflich erworben und stellt dieses als Leihgabe für die Sonderausstellungen von Heike und Wolfgang Lorentz zur Verfügung.

Freie Presse, Grünhain 23.6.2021

Bericht von Katja Lippmann-Wagner

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Heike und Wolfgang Lorentz, die Schwibbogenbauer aus Niedersachsen, waren nach langer Pause wieder im Erzgebirge. In Grünhain erhielten sie eine besondere Leihgabe.

Grünhain-Beierfeld. 

Eigentlich bauen Heike und Wolfgang Lorentz so ziemlich jeden Ortsschwibbogen nach, den es im Erzgebirge gibt. Entstanden ist so eine umfangreiche Ausstellung, die auch schon im Pferdegöpel in Johanngeorgenstadt zu sehen war. An einen Ortsschwibbogen allerdings hat sich das Paar, das das Erzgebirge als zweite Heimat bezeichnet, noch nicht getraut: den Grünhainer Schwibbogen, der 20217 anlässlich der 750 Jahrfeier entstand. Er sei einfach extrem filigran und schwer ins Modell zu bringen, so Heike Lorentz, die sich um die malerische Gestaltung der Lichterbögen kümmert. Doch nun gab es für sie und ihren Mann eine Überraschung. Die Idee zu dem Schwibbogen hatte damals Ortsvorsteher Jens Ullmann, die kreative Gestaltung lag in den Händen von Stefan Gräßler und die Statik hatte Martin Schubert zu verantworten. Lars Lorenz setzte den Holzbau um. In der Advents- und Weihnachtszeit erstrahlt der Schwibbogen seit 2017 in unmittelbarer Nähe zum Markt. Er steht frei und ist ein echtes Schmuckstück. Zu sehen sind der Grünhainer Abt, ein Obersteiger aus Schneeberg, das Stadtwappen, der Fuchsturm und der alte König-Albert-Turm auf dem Spiegelwald.

Zurück zu Familie Lorentz: Ende vergangener Woche bei ihrem Besuch im Erzgebirge, auf den sie so lang warten mussten, traf sich das Paar in Grünhain mit Ortsvorsteher Jens Ullmann und Bernd Weise. Denn Weise, der ursprünglich den Beruf des technischen Zeichners erlernte und später als Lehrer arbeitet, hatte sich schon vor einiger Zeit an den Schwibbogen gewagt. „Ich habe bei Stefan Gräßler nachgefragt, ob ich ihn nachbauen dürfte und mir sein Okay geholt.“ Insgesamt drei Schwibbogen sind mittlerweile in seiner Werkstatt entstanden. Einen davon hat Jens Ullmann gekauft. „So ein Exemplar musste ich einfach haben“, sagt Ullmann.

Durch den Kontakt zu den Schwibbogenbauern aus Wedemark reifte eine ganz andere Idee: Ullmann stellte den beiden Erzgebirgsfans sein Modell als Leihgabe zur Verfügung. „Das freut uns unglaublich. So etwas gibt es nur im Erzgebirge“, ist sich Heike Lorentz sicher. Nach der Übergabe des Modellbogens – natürlich am Standort des Großschwibbogens – ging dieser aber zunächst nach Gelenau ins Depot Pohl-Ströher. Seit Oktober ist dort die Schwibbogenausstellung aufgebaut. Allerdings wurde sie erst am Wochenende für Besucher geöffnet. „Dort hat der Schwibbogen einen exzellenten Platz bekommen“, findet Wolfgang Lorentz, der sich mit seiner Frau auch noch die Werkstatt von Bernd Weise anschaute.